Plädoyer gegen defensive Mischfonds mit hohem Rentenanteil


Richard Zellmann, Geschäftsführer der Investmentboutique First Private, würde heute keine Mischfonds mit hohem Rentenanteil mehr kaufen. Denn zwar haben Rentenfonds in den vergangenen Jahren tatsächlich eine gute Rendite erzielt. Doch das werde sich ändern, sobald die Zinsen wieder steigen.

Im ersten Quartal 2015 waren Mischfonds erneut stark gefragt. Bei Mischfonds kann das Fonds-Management das Geld der Anleger zum Beispiel in Aktien, Rentenpapiere, Rohstoffe, Edelmetalle oder Immobilien investieren. In den letzten drei Jahren verbuchten Mischfonds eine Zunahme von rund 32 Prozent.

Der Grund für den Run auf die Mischfonds ist, dass die Anleger wegen der niedrigen Zinsen nach Alternativen zu Anleihen suchen, sagte Richard Zellmann, Geschäftsführer der Investmentboutique First Private, zu procontra.

Zwar hätten die Anleger Interesse an Aktien, doch an reine Aktienfonds trauten sie sich nicht heran, sagt Zellmann. Da liege ein Investment in defensive Mischfonds nahe.

Auch Rentenfonds haben zuletzt hohe Zuflüsse verzeichnet. Dies zeige, dass Investoren stark auf die Performance der vergangenen Zeit schauen, sagt Zellmann. Denn tatsächlich haben Rentenfonds in den vergangenen Jahren eine gute Rendite erzielt. Doch das werde sich ändern, wenn die Zinsen wieder steigen.

„Man sollte nicht nur darauf achten, wie hoch die Performance ausgefallen ist, sondern auch darauf, woher sie kam“, sagt Zellmann. So würden beispielsweise Anleihen bald kein gutes Investment mehr sein. Daher würde Zellmann heute nicht mehr in einen Mischfonds mit hohem Rentenanteil investieren und schon gar nicht in einen reinen Rentenfonds.

Jedes defensive Investment müsse heute auch Aktien enthalten, sagt Zellmann. „Mit rund 20 Prozent Aktien liegen selbst risikoscheue Anleger nicht falsch.“ Wer in Anleihen investiert, der müsse die Zinsrisiken begrenzen. So müssten die Laufzeiten heute deutlich kürzer sein als noch vor einigen Jahren.

„Darüber hinaus kommt man heute ohne derivative Strategien, mit denen man auch auf fallende Märkte setzen kann, nicht mehr aus“, sagt Zellmann. Zwar habe man vorsichtigen Anlegern früher genau zum Gegenteil geraten, nämlich zu mehr Anleihen und weniger Derivaten, doch die Zeiten hätten sich geändert.

Doch anders als Zellmann setzen die meisten Mischfonds noch immer nur auf Aktien und Anleihen. Für große Fondsanbieter sei es auch nicht so leicht, die Fonds „so einfach komplett umzukrempeln“, sagt Zellmann. Zudem fehle es ihnen oft an der Expertise für Nischenthemen.

Investmentboutiquen wie First Private seien da flexibler. „Sie können die Strategien ihrer Fonds vergleichsweise einfach ändern“, sagt Zellmann. Außerdem seien sie in der Regel spezialisiert. „Fondsanbieter, die unabhängig sind von Banken oder Versicherungen, werden in der kommenden Zeit die besten Karten haben.“